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Märkte & Technik

Süd, Ost-West oder vertikal: Welche Auslegung eines Solarparks sich für Anleger rechnet

Ein Solarpark wird nicht nur nach Standort und Größe geplant, sondern auch nach seinem Tagesprofil: Süd-Aufständerung liefert die meisten Kilowattstunden, Ost-West verteilt sie flacher über den Tag, senkrecht stehende bifaziale Module lassen die Mittagsspitze ganz aus. Seit die Mittagsstunden regelmäßig negative Preise bringen, entscheidet dieses Profil über den Erlös mit. Dieser Beitrag rechnet die drei Bauformen mit einem eigenen Stundenmodell durch, je Kilowatt und je investiertem Euro.

Jakob HubertJakob HubertVeröffentlicht 12. September 2026ca. 10 min Lesezeit

Wer ein Exposé für ein Solarpark-Direktinvestment liest, findet die Auslegung meist in einer Zeile: Süd, 20 Grad Neigung, oder Ost-West, 15 Grad. Nachgefragt wird selten, dabei legt diese Zeile fest, zu welchen Stunden die Anlage ihren Strom liefert, und damit seit 2025 auch, wie viele ihrer Kilowattstunden in Stunden mit negativem Börsenpreis fallen. Der Markt hat darauf zwei gängige Antworten: Süd für den maximalen Ertrag, Ost-West für den besseren Marktwert. Die zweite Antwort stimmt nur zur Hälfte. Warum, zeigt die Rechnung der Reihe nach.

Was unterscheidet Süd, Ost-West und vertikal?

Drei Bauformen, drei Tagesprofile. Die klassische Freiflächenanlage stellt ihre Module nach Süden, heute meist mit 20 bis 25 Grad Neigung und engen Reihenabständen; sie erntet die meiste Einstrahlung und erzeugt die Hälfte ihres Jahresertrags zwischen 11 und 14 Uhr. Die Ost-West-Anlage teilt die Leistung auf zwei flach gegeneinander geneigte Modulreihen, meist 10 bis 15 Grad; Reihenverschattung entfällt, die Fläche lässt sich dichter belegen, und das Profil wird morgens und abends etwas breiter. Die dritte Form steht senkrecht: bifaziale Module, die auf Vorder- und Rückseite Strom erzeugen, in Reihen mit Blick nach Osten und Westen. Sie produzieren am Vormittag und am Nachmittag, während die Mittagssonne flach auf die Modulkante trifft. Das Fraunhofer ISE beschreibt genau diese Anordnung als Ergänzung zum überwiegend südausgerichteten Anlagenbestand; als Agri-PV lässt sie zwischen den Reihen Landwirtschaft zu, die Grundlagen dazu erklärt In Agri-PV investieren: Doppelnutzung, Erlöse und Steuerhebel im Überblick.

BauformNeigungAnteil des Ertrags 11 bis 14 UhrBelegungsdichte
Süd, fest aufgeständert20 bis 25 Gradrund 50 %um 1 MWp je Hektar
Ost-West, fest aufgeständert10 bis 15 Gradrund 48 %dichter als Süd, weil keine Reihenverschattung
Vertikal bifazial, Ost-West90 Gradrund 30 %0,25 MWp je Hektar als Agri-PV auf Grünland
Die drei Bauformen im Überblick. Mittagsanteil aus dem eigenen Modell (PVGIS-Stundenprofile, Wetterjahr 2023, Standort 51,0 Grad Nord / 10,0 Grad Ost); Belegungsdichten nach Fraunhofer ISE, Aktuelle Fakten zur Photovoltaik, Fassung vom 20. August 2026.

Wie viel Ertrag kostet die Abkehr von Süd?

Bei flachem Ost-West rund 13 Prozent, bei vertikalen bifazialen Modulen nach unserer Modellannahme rund 3 Prozent. Für die Rechnung haben wir die Stundenprofile aus PVGIS gezogen, dem Photovoltaik-Rechner der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission, für einen Standort in der Mitte Deutschlands, das Wetterjahr 2023 und 14 Prozent Systemverluste. Die Süd-Anlage mit 25 Grad Neigung kommt so auf 1.011 Kilowattstunden je Kilowatt; das passt zu den rund 1.080 Volllaststunden, die das Fraunhofer ISE für eine neue, flach nach Süden ausgerichtete Anlage ohne Abregelung nennt. Die Ost-West-Anlage mit 15 Grad liegt bei 876 Kilowattstunden. Für die vertikale Anlage rechnet PVGIS nur die Vorderseite; wir addieren die Rückseite mit einem Bifazialitätsfaktor von 0,9, weil Module mit Werten über 90 Prozent verfügbar sind, und kommen auf 984 Kilowattstunden. Das ist eine Annahme, keine Messung: Der Rückseitenertrag hängt von Bodenreflexion, Reihenabstand und Aufstellhöhe ab, und Reihenverschattung ist nicht modelliert.

AuslegungErtrag kWh je kWpgegenüber Süd 25 Grad
Süd 25 Grad, Standort 51,0 / 10,01.011Referenz
Süd 35 Grad1.022+1 %
Ost-West 15 Grad876-13 %
Vertikal bifazial Ost-West (Faktor 0,9)984-3 %
Vertikal, nur Vorderseiten (zum Vergleich)518-49 %
Süd 25 Grad, Standort 48,6 / 11,51.115+10 %
Eigene Berechnung mit PVGIS 5.3 (Wetterjahr 2023, Systemverluste 14 Prozent). Vertikal bifazial: Ostseite plus Westseite mal Bifazialitätsfaktor 0,9, bezogen auf ein Kilowatt Nennleistung der Vorderseite. Bruttowerte ohne Abregelung und Degradation.

Zwei Einordnungen gehören dazu. Der Standort wiegt schwerer als die Neigung: Dieselbe Süd-Anlage liefert in Süddeutschland 10 Prozent mehr als in der Mitte des Landes, mehr als der Unterschied zwischen 25 und 35 Grad ausmacht. Und wer den Ertrag steigern will, statt ihn zu verschieben, findet den Hebel in der Nachführung: Ein- oder zweiachsig nachgeführte Anlagen heben den spezifischen Jahresertrag laut Fraunhofer ISE um 15 bis 30 Prozent; sie sind in diesem Beitrag nicht modelliert. Welche dieser Annahmen in einem konkreten Projekt gilt, steht im Ertragsgutachten, dessen Lesart Ertragsgutachten lesen: Was P50 und P90 für ein Solarpark-Direktinvestment bedeuten erklärt.

Bringt Ost-West wirklich mehr Marktwert?

Bei flacher Aufständerung praktisch nicht. Für den Marktwert haben wir jede Stunde des Profils mit dem Day-Ahead-Preis derselben Stunde aus SMARD, dem Marktdatenportal der Bundesnetzagentur, multipliziert und durch die erzeugte Strommenge geteilt; das Ergebnis ist der Capture-Preis, den die Anlage im Mittel je Kilowattstunde erlöst. Mit den Preisen des Jahres 2023 kommt die Süd-Anlage auf 72,9 Euro je Megawattstunde, die Ost-West-Anlage auf 72,6. Mit den Preisen des Jahres 2025 sind es 47,0 gegenüber 46,7 Euro. Der Unterschied liegt unter einem Prozent, in beiden Jahren zu Ungunsten von Ost-West. Der Grund steht in der Tabelle oben: Bei 15 Grad Neigung sehen beide Modulhälften die Mittagssonne fast so gut wie die Süd-Anlage, der Mittagsanteil sinkt nur von 50 auf 48 Prozent. Das Profil wird nicht verschoben, sondern lediglich um 13 Prozent gestaucht.

Anders die vertikale Anlage: Ihr Mittagsanteil liegt bei 30 Prozent, und ihr Capture-Preis bei 84,7 Euro je Megawattstunde mit den Preisen von 2023 und 63,1 Euro mit denen von 2025, also 16 beziehungsweise 34 Prozent über Süd. Der Abstand wächst mit jedem Jahr, in dem die Mittagsstunden billiger werden. Als Maßstab dient der Marktwertfaktor, das Verhältnis des erzielten Preises zum ungewichteten Jahresmittelpreis: Für den gesamten deutschen Solarbestand ist er nach eigener Rechnung aus den SMARD-Daten von 0,76 im Jahr 2023 auf 0,52 im Jahr 2025 gefallen; die daraus folgende Größe, der Marktwert Solar, ist zugleich die zweite Stellgröße der Marktprämie, wie Direktvermarktung und Marktprämie: Wie ein Solarpark sein Geld verdient zeigt. Unser Modellwert für 2025 liegt mit 4,61 Cent nahe am amtlichen Jahresmarktwert Solar von 4,51 Cent je Kilowattstunde auf netztransparenz.de; die Abweichung erklärt sich aus Stunden- statt Viertelstundenpreisen und der Hochrechnung der Erzeugung.

AuslegungCapture 2023Faktor 2023Capture 2025Faktor 2025zum Marktwert Solar 2025
Süd 25 Grad72,9 €/MWh0,7747,0 €/MWh0,531,02
Ost-West 15 Grad72,6 €/MWh0,7646,7 €/MWh0,521,01
Vertikal bifazial Ost-West84,7 €/MWh0,8963,1 €/MWh0,711,37
Eigene Berechnung: PVGIS-Stundenprofil 2023 multipliziert mit den SMARD-Day-Ahead-Preisen (DE-LU) der Jahre 2023 und 2025. Marktwertfaktor = Capture-Preis geteilt durch den ungewichteten Jahresmittelpreis (95,18 beziehungsweise 89,33 Euro je Megawattstunde). Letzte Spalte: Capture-Preis geteilt durch den selbst berechneten Jahresmarktwert Solar 2025.

Dass Ost-West als Marktwert-Auslegung gilt, hat einen historischen Grund. In einer Kurzstudie für Agora Energiewende hatte das Fraunhofer ISE 2014 ein Ost/West-Szenario mit rund 20 Prozent höherem Marktwert gerechnet; die dort unterstellte Einzelanlage lieferte aber 19 bis 22 Prozent weniger Ertrag als Süd, war also deutlich steiler aufgestellt als die heute üblichen 10 bis 15 Grad. Die Studie hielt zudem fest, dass es für den Investor bei reiner EEG-Vermarktung damals keinen Anreiz für Ost-West gab. Beides ist noch richtig: Der Marktwertvorteil entsteht aus dem Aufstellwinkel, nicht aus der Himmelsrichtung, und er kommt beim Anleger nur an, wenn die Vermarktung ihn abbildet. Beim Stromabnahmevertrag mit einem Industriekunden ist das Profil ohnehin Verhandlungsgegenstand; was dort zählt, ordnet PPA verstehen: Wie Stromabnahmeverträge die Erlöse eines Solarparks planbar machen ein.

Was passiert in den Stunden mit negativen Preisen?

Sie treffen die Süd- und die flache Ost-West-Anlage gleich hart und die vertikale Anlage deutlich weniger. 2025 zählte SMARD 573 Stunden mit negativem Day-Ahead-Preis, fast doppelt so viele wie die rund 300 Stunden des Jahres 2023. Legt man das Profil auf diese Stunden, fallen bei der Süd-Anlage 25 Prozent des Jahresertrags in Negativstunden, bei Ost-West ebenfalls 25 Prozent, bei der vertikalen Anlage 17 Prozent. Als Plausibilitätsanker: Für den gesamten deutschen Solarbestand ergibt dieselbe Rechnung aus den SMARD-Erzeugungsdaten 24 Prozent. Weil unser Profil aus dem Wetterjahr 2023 stammt und die Preise aus 2025, unterschätzt das Modell die Trefferquote eher: Negative Preise entstehen an sonnigen Tagen, und die Korrelation mit dem echten Wetter des Preisjahres fehlt in der Rechnung.

Für Anlagen, die seit dem 25. Februar 2025 in Betrieb sind, gibt es in diesen Stunden nach §51 EEG keine Marktprämie; der Strom wird zum negativen Börsenpreis verkauft oder abgeregelt. Was das für Solarpark-Erlöse bedeutet und wie die Verlängerung des Förderzeitraums nach §51a EEG das teilweise ausgleicht, behandelt Negative Strompreise: Was sie für PV- und Speicher-Anleger bedeuten. Für die Auslegung folgt daraus eine einfache Regel: Jede Kilowattstunde, die vom Mittag in den Vormittag oder Nachmittag wandert, ist eine Kilowattstunde weniger im Risiko der Negativstunden. Der Weg über die vertikale Anordnung erreicht das ohne Speicher; der Weg über den Speicher am selben Netzanschluss erreicht es mit Süd-Modulen, wie Co-located vs. Stand-alone: Was die bessere Risiko-Struktur ergibt zeigt.

Was heißt das je investiertem Euro?

Auf der Erlösseite einen deutlichen Vorsprung für vertikal, auf der Kostenseite einen Aufschlag, und das Vorzeichen der Differenz hängt am Preisjahr. Mit dem anzulegenden Wert von 4,79 Cent je Kilowattstunde aus der Ausschreibung vom Juli 2026, der Marktprämie auf den selbst berechneten Monatsmarktwert und ohne Prämie in Negativstunden erlöst die Süd-Anlage mit den Preisen von 2025 rund 54 Euro je Kilowatt und Jahr, die Ost-West-Anlage 47 Euro und die vertikale Anlage 71 Euro. Mit den Preisen von 2023 lag der Marktwert Solar über dem anzulegenden Wert, die Marktprämie fiel auf null, und die drei Werte lauteten 74, 64 und 83 Euro. Der Vorsprung der vertikalen Anlage beträgt also 13 Prozent in der alten und 30 Prozent in der neuen Preisstruktur; die Ost-West-Anlage liegt in beiden Fällen um ihre 13 Prozent Minderertrag zurück.

AuslegungSpot-Erlös 2023EEG-Erlös 2023Spot-Erlös 2025EEG-Erlös 2025
Süd 25 Grad74 €/kW74 €/kW48 €/kW54 €/kW
Ost-West 15 Grad64 €/kW64 €/kW41 €/kW47 €/kW
Vertikal bifazial Ost-West83 €/kW83 €/kW62 €/kW71 €/kW
Eigene Berechnung, brutto je Kilowatt Nennleistung und Jahr. EEG-Erlös = Spot-Erlös plus Marktprämie (anzulegender Wert 4,79 ct/kWh minus selbst berechneter Monatsmarktwert Solar, mindestens null), keine Prämie in Stunden mit negativem Preis. Ohne Netzentgelte, Vermarktungsentgelt, Abregelung durch den Netzbetreiber und Degradation; kein Projektergebnis.

Dem stehen die Baukosten gegenüber. Das Fraunhofer ISE setzt in seiner Stromgestehungskosten-Studie vom Juli 2024 für Freiflächenanlagen ab einem Megawatt 700 bis 900 Euro je Kilowatt an. Für die senkrechte Bauweise gibt es keine ebenso breite Marktstatistik, aber zwei belastbare Anhaltspunkte aus dem Agri-PV-Leitfaden desselben Instituts: Die Unterkonstruktion bodennaher Agri-PV-Systeme kostet 97 bis 167 Euro je Kilowatt gegenüber 76 Euro bei der Freiflächenanlage, und bifaziale Glas-Glas-Module werden im dortigen Beispiel mit 326 Euro je Kilowatt angesetzt, spürbar über dem Standardmodul. In Stromgestehungskosten übersetzt nennt der Leitfaden 6,0 Cent je Kilowattstunde für bodennahe Agri-PV gegenüber 5,4 Cent für die Freiflächenanlage, ein Aufschlag von rund 11 Prozent. Dazu kommt die Fläche: Ein vertikaler Park als Agri-PV belegt nach Fraunhofer-Angaben mit 0,25 Megawatt je Hektar viermal so viel Land je Kilowatt wie eine dichte Süd-Anlage; die Pacht je Kilowatt steigt entsprechend, wird aber nach dem Leitfaden zwischen Landwirtschaft und Anlagenbetrieb geteilt. Für Ost-West schätzte die Agora-Studie 2014 rund 5 Prozent niedrigere Systemkosten als für Süd, unter anderem bei Wechselrichtern, Kabeln, Zaun und Gestellen; eine aktuellere unabhängige Zahl gibt es nicht.

Überschlägig heißt das: Ein Erlösvorsprung von 30 Prozent gegen einen Kostenaufschlag von rund 10 bis 15 Prozent trägt die vertikale Bauweise in der Preisstruktur von 2025 rechnerisch; in der Preisstruktur von 2023 mit 13 Prozent Erlösvorsprung wäre es ein Nullsummenspiel gewesen. Wer die Entscheidung auf 20 Jahre trifft, wettet also darauf, ob die Mittagsstunden weiter an Wert verlieren oder ob Speicherzubau und flexible Nachfrage sie wieder anheben; beide Kräfte sind real, und wie Speicher gerade an der Mittagsdelle verdienen, rechnet 2-Stunden- oder 4-Stunden-Speicher: Welche Speicherdauer sich für Anleger rechnet vor. Das flache Ost-West rechtfertigt sich nicht über den Erlös, sondern nur über die Fläche und den Netzanschluss: mehr Kilowatt je Hektar, keine Reihenverschattung, ein flacheres Profil am Einspeisepunkt.

Warum kostet ein hohes DC/AC-Verhältnis Kilowattstunden, aber kaum Erlös?

Weil die gekappten Stunden genau die billigsten sind. Das DC/AC-Verhältnis beschreibt, um wie viel die Modulleistung die Wechselrichter- und damit die Netzanschlussleistung übersteigt; das Fraunhofer ISE nennt Werte über eins als typisch und beschreibt die Begrenzung als dauerhafte interne Abregelung, die die Vollbenutzungsstunden des Netzanschlusses anhebt. In unserem Modell verliert die Süd-Anlage bei einem Verhältnis von 1,4 rund 0,8 Prozent ihres Ertrags, aber nur 0,3 Prozent ihres Erlöses mit den Preisen von 2023 und praktisch nichts mit den Preisen von 2025, weil die gekappten Mittagsspitzen 2025 fast ausschließlich in Stunden mit Preisen um oder unter null fielen. Bei 1,6 sind es 3,1 Prozent Ertrag gegen 1,7 beziehungsweise 0,4 Prozent Erlös. Die Ost-West-Anlage verliert selbst bei 1,6 nur ein halbes Prozent Ertrag, die vertikale Anlage fast nichts, weil ihre Spitzen niedriger ausfallen.

AuslegungDC/AC 1,4: ErtragDC/AC 1,4: Erlös 2023 / 2025DC/AC 1,6: ErtragDC/AC 1,6: Erlös 2023 / 2025
Süd 25 Grad-0,8 %-0,3 % / 0,0 %-3,1 %-1,7 % / -0,4 %
Ost-West 15 Grad0,0 %0,0 % / 0,0 %-0,5 %-0,1 % / 0,0 %
Vertikal bifazial Ost-West0,0 %0,0 % / 0,0 %-0,4 %-0,4 % / -0,3 %
Eigene Berechnung: Verluste durch Kappung der Wechselstromleistung auf 1 geteilt durch das DC/AC-Verhältnis, je Kilowatt Modulleistung, ohne Speicher. Ertrag in Prozent der Kilowattstunden, Erlös in Prozent des Spot-Erlöses des jeweiligen Preisjahres.

Für Anleger ist das eine gute Nachricht mit einer Prüfaufgabe. Die gute Nachricht: Ein Projekt, das seinen Netzanschluss mit Modulen überbaut, verschenkt weniger, als die Ertragsverluste vermuten lassen, und die knappe Netzanschlusskapazität wird besser genutzt. Die Prüfaufgabe: Das Ertragsgutachten muss die Kappung enthalten, und das Erlösmodell des Anbieters darf die gekappten Stunden nicht mit Durchschnittspreisen bewerten. Steht im Gutachten ein Ertrag vor Kappung und im Erlösmodell ein Jahresmittelpreis, sind beide Zahlen zu hoch.

Was ändert das EEG 2027 an der Rechnung?

Nach dem Regierungsentwurf wenig an der Auslegungsfrage, viel an der Förderlogik. Der Entwurf des EEG 2027 (Bundestagsdrucksache 21/7867 vom 7. September 2026, erste Lesung ab der Woche vom 21. September, Inkrafttreten zum 1. Januar 2027 geplant) ersetzt die einseitige Marktprämie für Neuanlagen ab 100 Kilowatt durch einen zweiseitigen Mechanismus: Liegt der Jahresmarktwert unter dem anzulegenden Wert, gibt es die Marktprämie als Differenz; liegt er darüber, zahlt der Betreiber nach §21d einen Refinanzierungsbeitrag an den Netzbetreiber. Entscheidend für die Auslegung ist, worauf beides berechnet wird: nach Anlage 1 auf den energieträgerspezifischen Jahresmarktwert Solar, also den Durchschnitt des gesamten Bestands, nicht auf den Erlös der einzelnen Anlage. Eine Anlage, deren Profil mehr erlöst als der Solar-Durchschnitt, behält diese Differenz in beiden Richtungen. Der Profilvorteil der vertikalen Bauweise bleibt damit auch im neuen System beim Betreiber; er wird sogar zur einzigen Stellgröße, an der ein Projekt seinen Erlös über den anzulegenden Wert hinaus noch beeinflussen kann.

Für laufende Vorhaben gilt der Übergang nach §100 des Entwurfs: Anlagen, die vor dem 1. Januar 2027 in Betrieb gehen oder deren anzulegender Wert in einem Gebotstermin vor diesem Datum ermittelt wurde, bleiben im EEG in der Fassung vom 31. Dezember 2026. Alles Weitere ist Entwurfsstand; Zahlen, Paragrafen und Termine können sich im Verfahren noch ändern.

Welche Fragen stellen Sie dem Anbieter zur Auslegung?

  • Welche Ausrichtung und Neigung stehen im Ertragsgutachten, und stimmen sie mit der Ausführungsplanung und der Bauzeichnung überein?
  • Rechnet das Erlösmodell mit dem Marktwert Solar, mit einem Jahresmittelpreis oder mit dem Capture-Preis des eigenen Profils, und in welchem Preisjahr?
  • Wie hoch ist das DC/AC-Verhältnis, und ist die Kappung sowohl im Ertrag als auch im Erlös berücksichtigt?
  • Bei bifazialen Modulen: Welcher Bifazialitätsfaktor und welcher Rückseitenertrag sind unterstellt, und ist die Reihenverschattung im Gutachten enthalten?
  • Wie viele Kilowatt je Hektar sind belegt, und wie ist die Pacht je Kilowatt kalkuliert?
  • Sind die Stunden mit negativen Preisen nach §51 EEG explizit abgezogen, und mit welcher Stundenzahl?
  • Wenn Ost-West gewählt wurde: aus welchem Grund, Fläche, Netzanschluss oder Marktwert, und ist der Grund im Erlösmodell wiederzufinden?

Wie wir Projekte auf ihre Auslegung prüfen

Bei jedem Solarpark, den wir Anlegern vorstellen, nehmen wir Ausrichtung, Neigung und DC/AC-Verhältnis aus der Ausführungsplanung und legen das Stundenprofil der Anlage gegen die Preisreihen der letzten Jahre, mit demselben offengelegten Modell wie in diesem Beitrag. Die Marktwertannahme des Anbieters gleichen wir mit dem Capture-Preis des eigenen Profils ab, die Negativstunden ziehen wir in der Wirtschaftlichkeitsrechnung explizit ab, und die Kappung muss im Ertragsgutachten stehen. Renditezusagen geben wir dabei keine; wir zeigen, welche Zahl auf welcher Annahme steht. Was einen Solarpark als Direktinvestment insgesamt ausmacht, ordnet In Solarparks investieren: Erlöse, Kosten und Steuerhebel im Überblick ein. Genau das prüfen wir mit Ihnen in einem unverbindlichen Erstgespräch, gern anhand eines konkreten Exposés.


Häufige Fragen

Lohnt sich eine Ost-West-Ausrichtung bei Freiflächenanlagen?

Als Marktwert-Auslegung bei flacher Neigung nicht. In unserem Stundenmodell liefert eine Ost-West-Anlage mit 15 Grad Neigung 13 Prozent weniger Strom als Süd und erlöst je Kilowattstunde praktisch denselben Preis, weil ihr Tagesprofil mittagslastig bleibt. Sie lohnt sich über die Fläche und den Netzanschluss: mehr Kilowatt je Hektar, keine Reihenverschattung, flacheres Profil am Einspeisepunkt.

Wie viel weniger Ertrag bringt Ost-West gegenüber Süd?

Rund 13 Prozent bei 15 Grad Neigung an einem Standort in der Mitte Deutschlands: 876 statt 1.011 Kilowattstunden je Kilowatt im Wetterjahr 2023 nach PVGIS. Der Standort wiegt schwerer: Dieselbe Süd-Anlage bringt in Süddeutschland 1.115 Kilowattstunden, also 10 Prozent mehr.

Was ist der Marktwertfaktor bei Photovoltaik?

Das Verhältnis des Preises, den eine Anlage im Mittel je Kilowattstunde erlöst, zum ungewichteten Durchschnittspreis der Börse im selben Zeitraum. Für den gesamten deutschen Solarbestand ist er nach eigener Rechnung aus den SMARD-Daten von 0,76 im Jahr 2023 auf 0,52 im Jahr 2025 gefallen; eine vertikale bifaziale Anlage erreichte im Modell 0,71, eine Süd-Anlage 0,53.

Was ist vertikale bifaziale Photovoltaik?

Senkrecht aufgestellte Module, die auf Vorder- und Rückseite Strom erzeugen und in Reihen nach Osten und Westen blicken. Sie produzieren vormittags und nachmittags statt mittags, lassen Landwirtschaft zwischen den Reihen zu und erreichen im Modell mit einem Bifazialitätsfaktor von 0,9 rund 97 Prozent des Ertrags einer Süd-Anlage bei einem Drittel mehr Erlös je Kilowattstunde in der Preisstruktur von 2025.

Was bedeutet das DC/AC-Verhältnis eines Solarparks?

Das Verhältnis der installierten Modulleistung zur Wechselrichter- beziehungsweise Netzanschlussleistung. Liegt es über eins, werden die Erzeugungsspitzen gekappt. Im Modell kostet ein Verhältnis von 1,4 die Süd-Anlage 0,8 Prozent Ertrag, aber nur 0,3 Prozent Erlös mit den Preisen von 2023 und praktisch nichts mit denen von 2025, weil die gekappten Mittagsstunden die billigsten sind.

Wie viel Fläche braucht ein Solarpark je Megawatt?

Eine dichte Süd-Anlage mit 20 bis 25 Grad Neigung belegt nach Fraunhofer ISE heute um einen Hektar je Megawatt; 2010 waren es fast drei. Ost-West lässt sich dichter belegen, weil keine Reihenverschattung entsteht. Vertikale bifaziale Anlagen als Agri-PV auf Grünland kommen nach Fraunhofer-Angaben auf 0,25 Megawatt je Hektar, weil die Reihen weit auseinanderstehen und dazwischen bewirtschaftet wird.

Ändert das EEG 2027 die Auslegungsfrage?

Nach dem Regierungsentwurf nicht. Marktprämie und der neue Refinanzierungsbeitrag nach §21d werden auf den Jahresmarktwert Solar des gesamten Bestands berechnet, nicht auf den Erlös der einzelnen Anlage. Ein Profil, das mehr erlöst als der Durchschnitt, behält die Differenz. Anlagen mit Inbetriebnahme oder Zuschlag vor dem 1. Januar 2027 bleiben nach §100 des Entwurfs im bisherigen EEG. Der Entwurf ist noch nicht beschlossen.

Quellen

  1. Europäische Kommission, Gemeinsame Forschungsstelle (JRC): PVGIS, nicht-interaktiver API-Dienst (seriescalc), Dokumentation
  2. SMARD (Bundesnetzagentur): Download-Center für Marktdaten, Großhandelspreise Day-Ahead und realisierte Erzeugung Photovoltaik
  3. SMARD (Bundesnetzagentur): Der Strommarkt im Jahr 2025, Jahresrückblick vom 5. Januar 2026
  4. Übertragungsnetzbetreiber (netztransparenz.de): Marktwertübersicht, Monats- und Jahresmarktwert Solar
  5. Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung vom 20.08.2026, Abschnitte Marktwertfaktor, Belegungsdichte, Volllaststunden, Montagevarianten (PDF)
  6. Fraunhofer ISE: Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien, Studie Juli 2024, Tabelle 1 Spezifische Anlagenkosten (PDF)
  7. Fraunhofer ISE: Agri-Photovoltaik, Chance für Landwirtschaft und Energiewende, Leitfaden für Deutschland, 4. Auflage Juni 2025, Abschnitte 4.1 bis 4.3 (PDF)
  8. Agora Energiewende / Fraunhofer ISE: Effekte regional verteilter sowie Ost-/West-ausgerichteter Solarstromanlagen, Kurzstudie Juni 2014 (PDF)
  9. §51 EEG: Verringerung des Zahlungsanspruchs bei negativen Preisen (gesetze-im-internet.de)
  10. Bundesnetzagentur: Ausschreibungen für Solaranlagen des ersten Segments, Ergebnisse (Gebotstermin 1. Juli 2026)
  11. Deutscher Bundestag: Drucksache 21/7867 vom 07.09.2026, Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2027), §§21d, 21e, 100 und Anlage 1 (PDF)

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